Veröffentlicht in Ausprobieren, Leseberichte

Drei Ansätze für ein Umdenken

Eine Strategie in „Omdenken“ setzt bei dem bekannten „Ja, aber…“ an und ruft uns dazu auf, zukünftig „Ja, und…“ zu sagen. Das ist nicht so einfach. Wer es aber  versucht, merkt sofort, dass sich in dem neu formulierten Satz etwas anderes ausdrückt, ohne, dass der Kern verändert oder das Einschränkende ignoriert werden müsste. Benjamin Zander hat dem (mit seiner Frau Rosamunde Stone-Zander) in dem Buch The Art of Possibility“ (https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/ID03949787.html?ProvID=11000731&msclkid=4dc2824ce31b1691c059de8127cc5025) das KapitelThe way things are“ gewidmet. Auch er betont, dass man  keine negativen Empfindungen verdrängen oder so tun soll, als würde man etwas mögen, das man tatsächlich gar nicht mag. Für Benjamin Zander drückt sich in dem „Ja, und…“ vielmehr eine presence without resistance“ (a.a.O., S. 101) aus. Die Situation wird zunächst für sich angenommen und als solche respektiert. Dann kann man damit (anders) umgehen, in dem man sich fragt: What do we want to do from here?“. So eröffnen sich auch für mein Gegenüber andere Handlungsoptionen. Wenn wir zunächst akzeptieren, dass und wie etwas ist, sparen wir die Energie, mit der Situation zu hadern und können uns  darauf fokussieren, wie wir von dort aus weiterkommen. Ähnliche Gedanken habe ich in Stark in stürmischen Zeiten“ von Anselm Grün und Bodo Janssen gefunden (https://www.randomhouse.de/Buch/Stark-in-stuermischen-Zeiten/Bodo-Janssen/Ariston/e523546.rhd). Pater Anselm Grün überschreibt ein Kapitel darin „Es ist so, wie es ist“ (a.a.O., S. 77 ff.) und macht deutlich: Anzunehmen, dass es so ist wie es ist, ohne darüber verstimmt zu sein, ist die Voraussetzung, dass ich etwas verwandeln kann“. An anderen Stellen geht der Autor auf das Sich-Einlassen und Annehmen einer Situation als ein notwendigen Teil der Selbstreflexion ein (a.a.O., u.a. S. 47, 74).  Wenn wir  unsere eigenen Widersprüche, Unzulänglichkeiten und enttäuschten Erwartungen grundsätzlich annehmen, können wir von dort aus Wege suchen, uns weiterzuentwickeln. 

Weitergedacht, ermöglicht dieser Gedanke auch eine andere Fehlerkultur, als wir sie oft (er-)leben. VieleAutor/innen widmen sich dem Thema und sehen Fehler, Schwächen oder Irrtümer nicht nur als notwendigen Teil einer Entwicklung, sondern als Chance, beruflich wie darüber hinaus. Bodo Janssen beschreibt seine Sicht dazu u.a. in Die stille Revolution (https://www.die-stille-revolution.de/#buch, S. 261). Einen neuen Umgang mit Fehlern propagieren zudem Anja Förster und Peter Kreuz in Zündstoff für Andersdenker (https://shop.murmann-verlag.de/de/item/zuendstoff-fuer-andersdenker-anja-foerster-peter-kreuz, S. 153 ff.). Eine der erfrischenden Aufforderungen lautet: Fehler begrüßen – auch die der anderen (a.a.O., S. 156). Das interative und inkrementelle Vorgehen beim Design Thinking beruht sogar darauf, dass Lösungsideen früh diskutiert und (erst) durch mehrfache Rückkopplung mit den Beteiligten verbessert werden. Das kann gelingen, wenn jeder seine Rückmeldung als Beitrag zur gemeinsamen Weiterentwicklung der Lösung versteht. Weil das Ansprechen von Unzulänglichkeiten („Das geht so nicht.“) eine Gruppendynamik auslösen kann, regen Jürgen Erbeldinger, Thomas Ramge und Erik Spiekermann in Durch die Decke denken an, für Besprechungen vorab ein Kritikverbot auszusprechen (https://www.m-vg.de/redline/shop/article/3096-durch-die-decke-denken/). Sie werben für eine positiv ausgerichtete Rückmeldung (Bsp. a.a.O., S. 42:“Das sehe ich auch so. Zusätzlich sollten wir…“ oder „Wie wäre es, wenn wir auch noch…„). Die vorgeschlagene Idee wird dadurch angereichert.

Die dritte Spur führt vom Umdenken zum Andersdenken im allgemeinen Sinn. In einer Reihe von Büchern werden unsere Denk- und Handlungsmuster – z.T. radikal – hinterfragt und ein anderes Umgehen mit Situationen vorgeschlagen. In diese Gruppe gehören für mich u.a. Zündstoff für Andersdenker,Reframe it! von Andri Hinnen und Gieri Hinnen (https://shop.murmann-verlag.de/de/item/reframe-it-andri-gieri-hinnen), Denkwerkzeuge von Florian Rustler (https://www.creaffective.de/de/veroeffentlichungen/buch-denkwerkzeuge/) und Musterbrecher – Die Kunst, das Spiel zu drehen von Stefan Kaduk, Dirk Osmetz, Hans A. Wüthrich und Dominik Hammer (https://www.musterbrecher.de/kiosk/buch.html). In 24 Work Hacks beschreiben Tim Mois und Corinna Baldauf konkrete Praktiken aus dem Unternehmen Sipgate (https://www.sipgate.de/blog/24-work-hacks). 

Und was heißt das alles für uns? Es geht immer auch anders, ob auch besser, kann jeder für sich bewerten, nachdem man es ausprobiert hat.

Autor:

Nach anderen beruflichen Stationen seit 2004 in verschiedenen Hochschulen in NRW (Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, Universität Bonn) tätig, seit 2012 als Kanzlerin der Kunsthochschule für Medien Köln.

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