Veröffentlicht in Allgemein

Ein gemeinsames Anliegen

Wir haben neulich in der Verwaltung über das Thema Verbundenheit gesprochen. Wohin strebt die Hochschule fast 30 Jahre nach der Gründung?  Was verbindet uns miteinander, innerhalb der Verwaltung und darüber hinaus? 

Ich hatte dazu im Frühjahr einmal ein längeres Telefonat mit Prof. Gerald Hüther, bei dem mir der Unterschied zwischen Auftrag und Anliegen klar wurde: Bei einem Auftrag gibt es die Rolle des ‚Erfüllers‘. Geht es um ein gemeinsames Anliegen, ist jeder Beteiligte ein ‚Verwirklicher‘. Um Veränderungen wirklich zu verankern, solle man sich nach Prof. Hüther zunächst die grundlegende Frage stellen, was die Beteiligten gemeinsam antreibt. Gibt es darauf noch keine klare Antwort, ermuntert er dazu, die Frage offen zu stellen, um miteinander das verbindende Anliegen zu erarbeiten. Sonst könnten Veränderungen u. U. eher mit der Persönlichkeit und Sichtweise einzelner Personen verbunden werden und würden bei deren Ausscheiden vielleicht wieder hinterfragt. Die Verständigung auf ein gemeinsames Anliegen könnte dagegen ein breiteres, langfristig tragendes Fundament schaffen. Anders als SMART formulierte und erreichbare Ziele könnte das gemeinsame Anliegen jeden immer wieder zur bestmöglichen Verwirklichung anspornen. 

Kurz darauf habe ich das Buch Verbundenheit von Gerald Hüther und Christa Spannbauer gelesen (2. Aufl., Hogrefe Verlag, 2018), in dem sich sechs Autor/innen in einer großen fachlichen Bandbreite (u.a. Quantenphysik, Philosophie, Theologie und Wirtschaftswissenschaften) mit den Herausforderungen und Potenzialen einer wirklichen Verbundenheit befassen. Warum und wie entsteht Verbundenheit? Was hält die Menschen und damit auch die Gesellschaft zusammen oder könnte sie zusammenhalten? Besonders erwähnen möchte ich hier nur die Beiträge von Prof. Hans-Peter Dürr und Barbara v. Meibom. Prof. Dürr entwickelt seinen Gedanken ausgehend von seiner Motivation, sich überhaupt mit Kernphysik zu befassen. Er wollte schlicht lernen, was die Welt im Innersten zusammenhält und das kleinste Teilchen finden. Frau v. Meibom befasst sich mit kommunikativen Aspekten der Verbundenheit und Grenzen für eine gelingende Kommunikation. Sie geht dabei unter anderem auf das Konzept des Offenen Dialogs (Bohm) und Kernkompetenzen dialogischer Kommunikation (Hartkemeyer) ein. Alle Autor/innen hinterlassen auf ihre Art die Botschaft, daß die Menschen per se miteinander verbunden sind und sich in ihrem Tun wieder mehr darauf besinnen sollten.

Im Frühjahr schien mir der Ansatz, in unserer Hochschule eine grundlegende Diskussion über das gemeinsame Anliegen anzuregen, zu groß. Inzwischen frage ich mich, ob dieser Prozess vielleicht dazu beitragen kann, unserem Ringen um mögliche Veränderungen einen anderen Rahmen zu geben.

Autor:

Nach anderen beruflichen Stationen seit 2004 in verschiedenen Hochschulen in NRW (Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, Universität Bonn) tätig, seit 2012 als Kanzlerin der Kunsthochschule für Medien Köln.

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