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Rückblick auf die Konferenz Agile Verwaltung in Berlin (24. Oktober 2019)

Mit etwas Abstand möchte ich auf die 4. Konferenz Agile Verwaltung vom 24. Oktober 2019 in Berlin zurückblicken. Für mich war es die erste Teilnahme an einer Konferenz des Forums Agile Verwaltung.

Ich war schon bei der Vorabendveranstaltung überrascht von der positiven Atmosphäre: Es waren so viele neugierige und aufgeschlossene Menschen aus Verwaltungen versammelt! Sie alle führte der Wunsch zusammen, in ihren Organisationen einen Wandel anzustoßen, um Verwaltung agiler zu gestalten und so mehr an den Bedürfnissen der Bürger*innen auszurichten.

Der Konferenztag selbst war angefüllt mit Informationen, spannendem Austausch und Impulsen. Die Begrüßung durch Falk Golinsky und Veronika Lévesque versetzte alle Teilnehmer*innen direkt zu Beginn in eine positive Stimmung.

Die Keynote „Hierarchiefreies Arbeiten in Deutschland -ein Erfahrungsbericht“ von Johannes Technau öffnete zunächst den Blick über den Tellerrand hinaus. Er berichtet von dem in den Niederlanden durch Jos de Blok erfolgreich aufgebauten ambulanten Pflegesystem „Buurtzorg“. Dort arbeiten inzwischen etwa 10.000 Pflegekräfte in hierarchiefreien, dezentralen Teams. Durch die Selbstorganisation der Teams werden nicht nur schlankere Verwaltungsstrukturen ermöglicht, sondern auch die Rahmenbedingungen für die Pflegekräfte und die Qualität der Betreuung der Patient*innen verbessert. Das Modell ist auch in Münster bereits nach Deutschland übertragen worden.

In der ersten Session entschied ich mich für den Vortrag von Daniel Rölle von der Universität Konstanz zum Thema „Agiles Verwaltungshandeln und organisationales Lernen -Anmerkungen aus organisationssoziologischer Perspektive“.

Die Disziplin der Organisationssoziologie schaut gespannt – aber durchaus auch kritisch – auf ein agiles Verwaltungskonzept. Bisher gibt es aus wissenschaftlicher Sicht noch zu wenige Beispiele und Daten aus der Praxis für eine systematische Forschung.

Vielleicht sei das Agile Verwaltungshandeln aber auch auf bereits existierenden organisationssoziologiescher Theorien begründet und somit doch nur alter Wein in neuen Schläuchen? Im Verlauf des Vortrags ordnet Daniel Rölle das Modell der Agilen Verwaltung ein und schlägt drei vorhandene Ansätze aus dem Bereich des organisationalen Lernens vor, die sich möglicherweise als Grundlage für die ein agiles Verwaltungskonzept anbieten:

  • Die soziologische Systemtheorie nach Parsons (1951),
  • das Prozesslernen (single-/double-loop learning) nach Probst/Büchel (1998),
  • und das Konzept der lernenden Organisation nach Argyris/Schön (1999).

Insbesondere Parsons AGIL-Schema sieht Daniel Rölle als mögliche theoretische Fundierung für die agile Verwaltung.

Mein persönliches Highlight folgte in der nächsten Session: Der Workshop „Die Kraft der guten Geschichte. Wirksame Kommunikation mit Storytelling.“ mit André Claaßen und Falk Golinsky. Die beiden stellen überaus kurzweilig die Heldenreise nach Joseph Campbell („Der Heros in tausend Gestalten“) als Werkzeug für Storytelling vor. Der Held durchläuft auf seiner Reise mehrere Etappen. Die Geschichte folgt dabei einem bestimmten, typischen Muster von Mythen aus verschiedensten Kulturen und aus unterschiedlichsten Zeitaltern und spricht so die Menschen emotional besonders an. In der einfachsten Form lässt sich die Reise anhand der folgenden Satzanfänge erzählen:

  • „Es war einmal…“
  • „Jeden Tag…“
  • „Eines Tages…“
  • „Und so kam es…“
  • „Deshalb…“
  • „… “
  • „Bis schließlich…“

Die Teilnehmer*innen der Session durften daraufhin die Heldenreise (an einem Beispiel einer Kommunalverwaltung der Gemeinde Agilhausen) selbst in Kleingruppen testen. André Claaßen zeigt abschließend, dass das Werkzeug selbst in formaler Kommunikation eingesetzt werden kann.

Im letzten Sessionslot des Tages besuchte ich den Workshop „Mit Working Out Loud sicher durch die Digitalisierung“ von und mit Katharina Nolden. Sie stellte anschaulich die Selbstlern-Methode Working Out Loud nach John Stepper vor. Diese basiert auf fünf Prinzipien:

  • Beziehungen
  • Großzügigkeit
  • Sichtbare Arbeit
  • Zielgerichtetes Entdecken
  • Wachstumsorientiertes Denken

Die Methode regt nicht nur zum eigenen Lernen an, sondern fördert auch die Bereitschaft, sein eigenes Wissen in einem selbstorganisierten Working Out Loud Circle in einem 12-wöchigen Programm zu teilen. Auch hier durften die Teilnehmer*innen des Workshops drei keine Übungen in 5-er Gruppen ausprobieren. Die Werkzeuge schafften extrem schnell das Gefühl von Vertrautheit und Vertrauen zwischen Beteiligten und verdeutlichten die Einsatzmöglichkeiten der Methode: Durch sie kann kooperative Zusammenarbeit gefördert, das Teilen von Wissen angeregt und individuelle Zielerreichung unterstützt werden.

In der abschließenden Fischbowl verfestigte sich v.a. die Erkenntnis, dass man nicht alleine an der Vision einer modernen agilen Verwaltung arbeitet. Die Konferenz war überaus motivierend und ich hatte das Gefühl, dass alle gestärkt und mit neuer Energie heimwärts fuhren. Der Austausch zwischen Menschen aus dem Verwaltungsumfeld sollte unbedingt fortgesetzt und intensiviert werden.

Dank gilt hier insbesondere auch dem Organisationsteam des Forums Agile Verwaltung, das ein inspirierendes, spannendes, vielfältiges Programm zu agilen Ansätzen in der Verwaltung zusammengestellt und die Konferenz hervorragend organisiert hat.

P.S.: Die Dokumentation der Konferenz (Folien und Videomitschnitte) ist unter https://agile-verwaltung.org/konferenz-agile-verwaltung-am-24-oktober-2019-in-berlin-dokumentation/ zu finden.
Am 27.02.2020 findet in Ettlingen bei Karlsruhe die Südkonferenz Agile Verwaltung statt. Informationen und Anmeldung unter https://agile-verwaltung.org/konferenz-agile-verwaltung-am-27-februar-2020-in-ettlingen/.

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