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Reverse Mentoring – Voneinander lernen

Im Buch „33 Werkzeuge für die Digitale Welt“ von Summa und Kurbach habe ich neulich gelesen:

Die jüngere Generation zu verstehen, ist essenziell: Sie macht nicht nur den Großteil der Bevölkerung aus, sondern auch unserer Kunden und bald schon der Arbeitswelt.

Summa, L., Kirbach, C. (2019). 33 Werkzeuge für die digitale Welt (2. Aufl.). München, Deutschland: Redline Verlag

Große Tech-Konzerne begegnen dieser oben beschriebenen Notwendigkeit mit einer speziellen Methode, genannt Reverse Mentoring: Sie bringen junge Digital Natives mit älteren Führungskräften oder langjährigen Fachexperten zusammen, um gegenseitig voneinander zu lernen.

Alexia Vernon, Autorin des Buches „Step into Your Moxie: Amplify Your Voice, Visibility, and Influence in the World“, hat die Regeln für ein funktionierendes „Reverse Mentoring“ beschrieben (frei übersetzt nach: https://www.forbes.com/sites/work-in-progress/2011/01/03/reverse-mentoring-what-is-it-and-why-is-it-beneficial/#72bab44a21cc):

  • Erwartungen werden definiert: Jede Partei äußert im Vorfeld ihre/seine Erwartungen klar und deutlich.
  • Vereinbarung zu den folgenden Regeln: Jede Partei erklärt sich mit den folgenden Regeln einverstanden und verpflichtet sich zu der vereinbarten Reverse-Mentoring Beziehung.
  • Wille zu Lernen: In einer Reverse-Mentoring-Beziehung agieren beide Parteien gleichzeitig sowohl als Mentor*in als auch als Mentee und lassen sich vollkommen drauf ein, vom jeweils anderen zu lernen und Gelerntes miteinander zu teilen.
  • Vertrauen: Reverse Mentoring basiert auf beiderseitiger Vertrauen. Das Ziel ist, sich gegenseitig aus der Komfortzone zu bringen und neue Wege des Denkens, Arbeitens und des Seins auszuprobieren.
  • Transparenz: Beide Parteien vereinbaren offen mit ihren Gefühlen und ihren Gedanken umzugehen. Unterschiede in den Kommunikationstilen auf Grund der unterschiedlichen Alterstruktur werden nicht als Hindernis betrachtet, im Gegenteil die Möglichkeit aus unterschiedlichen Blickwinkeln Situationen zu betrachten, erhöht den Lerneffekt.

Die großen Tech-Konzerne wenden diese Methodik vor allem an, um von den Digital Natives zu lernen. Kern der Methodik ist aber der Gedanke, dass wir alle voneinander lernen können und der Lerneffekt am größten ist, je diverser wir aufgestellt sind. Bei uns an der Hochschule wird das im Rahmen des Lehrkollegs unter den Lehrenden angeboten, Lehrende aus unterschiedlichen Fachdisziplinen hospitieren bei den jeweiligen Lehrveranstaltungen und geben einander Feedback. Bisher habe ich nur begeisterte Stimmen gehört, es sei sehr spannend mal zu sehen, wie es in anderen Fakultäten funktioniert.

Neulich fragte mich mein elfjähriger Neffe, was ich denn beruflich so mache. Als ich ihm erzählte, dass ich mich mit Themen der digitalen Welt auseinandersetze, war er gleich ganz begeistert und fragte, ob ich denn da auch programmieren würde. Als ich verneinte, war er ganz erstaunt und sagte, dann zeig ich dir mal wie das geht. Zusammen programmierten wir mit seinem Arduino, einer Physical-Computing-Plattform, die sowohl aus Software als auch aus Hardware besteht (für näheres Interesse, hier der Link: https://www.arduino.cc/) eine Ampelschaltung und simulierten diese mit kleinen LED Lämpchen, so konnten wir gleich sehen, ob wir alles richtig gemacht haben.

Als ich später von Reverse Mentoring las, fühlte ich mich gleich an die Situation mit meinem Neffen erinnert. Klar entsprach dies nicht der klassischen Reverse Mentoring Methodik, aber den Kern des Ganzen „voneinander zu lernen“, haben wir auch erlebt. Während des Programmierens hat mein Neffe mich im Übrigen noch weiter ausgefragt z.B. was die Studierenden denn in der Hochschule zum Thema Digitalisierung so lernen würden und was ich denn mit dem Ganzen zu tun habe.

Ich habe mir nun für das kommende Jahr vorgenommen, die Methode Reverse Mentoring öfter auch in meinem Berufsleben anzuwenden. Im Bereich der Musterwandler bieten sich hier bestimmt viele Möglichkeiten, ich werde aber auch nochmal versuchen ein paar weitere Anwendungsfälle zu entwickeln, wie man das auch an unserer Hochschule noch stärker einsetzen könnte. Ich freue mich auch über weitere Vorschläge.

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