Veröffentlicht in Erfahrungen, Nachlese

Auf dem Weg zu einer Innovationskultur in Hochschulen – 2. Etappe der HFD-Community Working Group der Musterwandler bei der KU Leuven

Die Community Working Group „Innovationskultur“ war wieder einmal unterwegs, um sich Institutionen anzusehen, in denen Innovation zur Kultur und zum Mindset gehört. Unsere Reise führte uns diesmal nach Belgien zur Katholieke Universiteit Leuven.

Warum die KU Leuven?

Die KU Leuven gehört nicht nur zu den 50 besten Hochschulen weltweit, sondern ist auch mehrfach in Folge zur innovativsten Hochschule Europas gewählt worden. Das wollten wir uns natürlich ansehen. Und hören! Gesprochen haben wir mit Prof. Dr. Koenraad Debackere, dem Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der KU Leuven, Geschäftsführer der Abteilung Research & Development und Professor an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Innovationsmanagement und Innovationspolitik, Dr. Rudi Cuyvers, dem Leiter der Abteilung „Spin-off and Innovation“ und Nick Geukens, der als Innovationsmanager in einer medizinischen Abteilung tätig ist.

Koenraad Debackere, Rudi Cuyvers, Nick Geukens. Fotos: Annabell Bils

Innovation an der KU Leuven

Der Auslöser für die Beschäftigung mit Innovation liegt schon länger zurück („It started with a need“): In den 1970-er Jahren gab es an den Hochschulen keine ausreichende Grundfinanzierung – die Drittmittel mussten selbst eingeworben werden. War die Hochschule damit erfolgreich, konnte aber auch ein Teil des Geldes für Forschung und Entwicklung verwendet und für das investiert werden, was aus Sicht des Departments benötigt wird. So konnte eine Art von Entrepreneurship entstehen, woraus die ersten Startups hervorgingen. Weil es gut funktioniert und Aufmerksamkeit erzeugt hat, hat sich dieses Modell auch auf andere Hochschulen in Flandern ausgeweitet. Und auch intern ging es immer besser voran: „By the time, the spirit has infected the organisation.“ Dies betrifft nicht nur die Forschenden und Lehrenden, sondern auch die Mitarbeitenden aus den zentralen Einrichtungen, die sich von Beginn an durch verschiedene Formate aktiv einbringen konnten. Wesentlich sei vor allem Eines:

„Freedom to do things and to do things, you are interested in […].When people are allowed to do so, they become engaged.“

Ein anderer Bestandteil der Innovationskultur der KU Leuven ist ein unternehmerisches („entrepreneurical“) Mindset und die Zusammenarbeit mit Unternehmen – dies sei der wichtigste Teil von Innovation überhaupt – allerdings mit einer guten Balance zwischen Unabhängigkeit und Kollaboration. „Success-Stories“ werden innerhalb der Universität und darüber hinaus verbreitet. Über die Jahre stellen die Beteiligten eine Art Sogwirkung fest, was den Zuspruch zu hochschulinternen Unterstützungs-/ Beratungsangeboten der Einrichtung angeht, wie auch Anfragen Externer für eine Zusammenarbeit. Besucher*innen können einige „Success-Stories“ im Eingangsbereich des Gebäudes bewundern, wo durch die KU Leuven patentierte Erfindungen ausgestellt sind.

Foto: Annabell Bils

Auch in diesem Gespräch zeigte sich: Es muss Unterstützung geben, um Kolleginnen und Kollegen, die sich beteiligen wollen, einzubeziehen. Es sei wichtig, Anreize für ein innovatives Handeln zu geben, da es auch um Risiken und Verantwortung gehe. Wichtig für die Kommunikation innerhalb der Universität sind auch zentrale Veranstaltungen wie der „Innovation Day“ und der „Spin-Off-Day“. Ein Beispiel für das Hand-in-Hand von Hochschule und Wirtschaft zeigt sich in der medizinischen Abteilung, die innovative Gesundheitsprodukte entwickelt. Die Idee ist grundsätzlich sehr einfach:

Sammeln Sie Ideen!
Gibt es für diese Ideen einen gesellschaftlichen Bedarf – bringen Sie sie auf den Markt.
Finden Sie Unternehmen, mit denen Sie zusammenarbeiten können.

Dieser Ansatz wird in verschiedenen Forschungsgruppen praktiziert – vor der Überzeugung, dass man allein mit den eigenen Ansichten nicht weiterkommt und externe Perspektiven braucht.

Und – wer hätte es geahnt – ist auch hier das Mindset hervorzuheben: Man braucht Handlungsfreiheit, denn diese schafft auch noch mal einen ganz anderen „Spirit“ von Verantwortlichkeit.

„We train people that they can work anywhere, but we don’t want them to.“

Aber auch Vertrauen ist wichtig, weil Menschen durchaus auch Angst vor Wandel haben. Deshalb lautet die Empfehlung: Nehmen Sie sich Zeit für Kommunikation.

Was wird hängen bleiben?

Für den Moment sind es vor allem diese Stichworte:

Und die Erkenntnis, dass es auch hier einen Auslöser brauchte, um Innovationen hervorzubringen. Die Relevanz von Freiheit und Autonomie. Die Unterstützung durch die Hochschulleitung. Und immer wieder Kommunikation.

Weitere Schritte der HFD-Community Working Group

Im Februar werden wir das d.lab, das Innovationslabor der Deutschen Bahn besuchen. Am 25. März 2020 findet dann unser Abschlussworkshop statt, zu dem man sich noch anmelden kann!

Autor:

Referentin für Hochschulstrategie und Digitalisierung an der FernUniversität in Hagen

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