Veröffentlicht in Erfahrungen

Ein Raum für Kreativität

In der Initiierungsphase unseres OpenDigiLab kamen wir schnell zu der Überzeugung, dass wir für ein offenes, organisationsweites Austauschformat in unserer Hochschule im Sinne eines creative space auch einen geeigneten „Raum“ für die Zusammenarbeit in Gruppen benötigen.

Unsere Zielvorstellung

Wir wollen einen Raum schaffen, durch den kreatives Arbeiten im Team stimuliert und die Interaktion in der Gruppe gefördert wird. Als besonders kreativitätsfördernd gelten Orte in der Natur aber auch lebhafte Cafes. Mit der Raumgestaltung wollen wir eine Atmosphäre schaffen, die gleichzeitig entspannend als auch anregend wirkt.

Es sollen Möglichkeiten zum interdisziplinären Austausch und zur Kollaboration aber auch zur informellen Kommunikation geschaffen werden. Dafür wollen wir in dem Raum flexible Möbel und unterschiedliche Werkzeuge für verschiedene Arbeitsszenarien bereitstellen sowie infrastrukturelle Voraussetzungen schaffen.

Mehrere Randbedingungen mussten allerdings für die Umgestaltung des Raumes erfüllt werden:

  • Eine bauliche Umgestaltung des Raumes ist nicht möglich,
  • der Raum muss auch weiterhin auch als Besprechungsraum nutzbar sein,
  • es stehen nur geringe finanzielle Mittel für die Gestaltung zur Verfügung.

Genese

Der Begriff „Raum“ hat hier für uns – ohne auf die wissenschaftlichen, philosophischen Theorien einzugehen – mindestens zwei Dimensionen:

  • Die physische Raum in einem Gebäude mit einer formalen Gestaltung ausgestattet mit Möbeln, Werkzeugen und Hilfsmitteln,
  • den Lern- bzw. Vertrauensraum als Ort, an dem eine offene Atmosphäre herrscht und angstfreie, wertschätzende Begegnung auf Augenhöhe möglich ist.

In diesem Artikel möchte ich beschreiben, wie wir den physischen Raum gestaltet haben. Dabei sind wir ganz praktisch vorgegangen und hoffen, durch die konkrete Nutzung des Raumes Erfahrungen für Anpassungen und Verbesserungen sammeln zu können.

In einer Universität ist es nicht ganz einfach, einen „freien“ Raum zu finden, da die Gebäude häufig am Rande der Kapazitätsgrenzen betrieben werden. Wir hatten Glück, dass ein Besprechungsraum im Bereich unserer Abteilung zur Verfügung stand.

Wie entwickeln wir aber aus einem kalten, sterilen Besprechungsraum mit schweren Möbeln einen Ort für Kreativität? Der Blick ins Web, Besuche in existierenden creative spaces (u.a. bei sipgate, siehe Impressionen) gaben uns schnell Anregungen. Der Blick in die Literatur (z.B. Design Thinking – Das Handbuch, Uebernickel et al., Ffm 2015, S.71) lieferte weitere Hinweise.

Infrastruktur

Durch relativ große Fensterflächen ist in dem Raum bereits eine natürliche Lichtquelle gegeben, sodass in dem Bereich keine weiteren Maßnahmen notwendig waren.

Die Akustik in dem Besprechungsraum ist leider nicht optimal. Durch die Raumgeometrie und die Möbelausstattung gibt es einen starken Hall-Effekt, der Sprechen und Hören schon bei normaler Lautstärke sehr erschwert und anstrengend macht. Wir überlegen noch, die Raumakustik durch Akustikpanele/Schallabsorber an Wand und Decke sowie schallschluckende Sitzmöbel zu verbessern.

Als verbesserungsbedürftig hat sich auch das Raumklima herausgestellt: Bei aktiver Zusammenarbeit ist die Raumluft nach spätestens zwei Stunden verbraucht und es müssen Pausen zur Lüftung berücksichtigt werden. Es sollten maximal 10 Personen in dem Raum arbeiten.

Inspiriert durch Gestaltungsbeispiele aus dem Web und von einem Besuch am Sitz der Firma Brainlab (siehe Bildergalerie) war der erste Wunsch, eine Wand mit einer Fototapete mit Naturmotiv aufzulockern und so eine entspannte Atmosphäre zu erzeugen. Leider konnte diese Idee nicht umgesetzt werden – wir erreichten aber, dass eine Wand in apfelgrün („Greenery“, Pantone 15-0343) gestrichen wurde. Im Zweifel wären wir aber auch bereit gewesen, Farbe auf eigene Kosten zu beschaffen und selbst zum Pinsel zu greifen.

Besonders wichtig waren uns ausreichende Arbeitsflächen. Neben den bereits existierenden großen Tischen schafften wir weitere Flächen durch einen Anstrich mit Magnetfarbe sowie durch mehrere große Whiteboards und eine mobile Pinnwand.

Eine Neumöblierung des Raumes bzgl. Tische und Stühle (wünschenswert wären klapp-/rollbare Tische und stapelbare Stühle) war im ersten Schritt aufgrund des begrenzten Budgets nicht möglich. Es konnten aber zusätzliche flexible Möbel beschafft werden, u.a.

  • Kallaxregale auf Rollen bzw. einen Rollcontainer als Stauraum,
  • ein rollbarer Stehtisch, auch als Projektortisch nutzbar.

Die technische Infrastruktur des Raumes war vorab schon in gutem Zustand: Entlang der Wände sind ausreichend Steckdosen vorhanden, um elektronische Geräte („BYOD“) anzuschließen, Netzdosen mit DHCP sind verfügbar und auch ein WLAN-Accesspoint (mit eduroam) befindet sich direkt im Raum. Ein großer mobiler Monitor (inzwischen durch einen Touchscreen ersetzt) war ebenso bereits vorhanden. Es hat sich aber gezeigt, dass die analogen Arbeitsmittel (im Labor für digitale Innovationen!) viel häufiger als digitale Werkzeuge genutzt werden – und so blieb der Monitor meist ausgeschaltet.

Arbeitsmittel

Wichtigste Arbeitsmittel in unserem creative space sind die klassischen Moderationsutensilien. Dazu gehören:

  • Flipchart(s) bzw. große Papierbögen (ggf. Packpapier von der Rolle),
  • Post-its oder Stattys in verschiedenen größen und Farben sowie Papierkärtchen in rauhen Mengen,
  • Stifte bzw. Whiteboardmarker in verschiedenen Farben und Stärken,
  • Push-Pins und Magnete, selbstklebende Namensschilder,
  • Time Timer Tischuhr,
  • Lineale, Scheren, Cuttermesser, Klebstoff, Tesafilm, Klebeband, Klebepunkte etc.

Diese Arbeitsmittel sind häufig auch in Standardmoderationskoffern enthalten. Verpackungsmaterial bzw. die Kartonage von Lieferungen der Whiteboards haben wir wiederverwertet. Aus dem Karton lassen sich hervorragend und schnell kleine Pinboards oder Prototypen basteln (alternativ: Foamboards). Außerdem haben wir noch weitere Werkzeuge im Raum bereitgestellt:

  • Lego Serious Play Kits,
  • Kreide & Knete,
  • story cubes als Hilfsmittel für story telling.

Die Materialien und Werkzeuge sind an einem festen Platz gut zugänglich möglichst in offenen Regalen untergebracht, um vergleichbar zu der vorbereiteten Umgebung nach Montessori Neugier weckend dargeboten zu werden und zur Nutzung herauszufordern.

Als digitale Peripheriegeräte, insbesondere für Webkonferenzen, zur Aufzeichnung von Interviews oder Workshopergebnissen wurden angeschafft:

  • Soundbar mit Bluetoothverbindung,
  • USB-Webcam,
  • Jabra Tischmikrofon,
  • Smartphone Stativ,
  • Zoom Handy Recorder.

Last but not least, haben wir eine kleine, ständig wachsende Bibliothek mit Standardwerken und Methodensammlungen zusammengestellt :

  • Bikablo visuelle Wörterbücher,
  • Sammlungen von Kreativitäts- und Workshopmethoden etc.

Es ist zwar kein Ausstattungsmerkmal des Raumes, aber aus unserer Erfahrung nicht ganz unwichtig: Direkt gegenüber vom creative space befindet sich unser Kaffeeküche. Hier steht eine Kaffeemaschine, Wasserkocher, Tee, ein Kühlschrank mit Wasser, Gläser und Tassen bereit. Gerade in den Workshoppausen ein stark frequentierter Ort für informellen Austausch…

Fazit

Mit geringen Mitteln und ein bisschen Eigenleistung haben wir einen nicht perfekten, aber funktionalen creative space geschaffen. Das gemeinsame Arbeiten in dem Raum hat sich seit der Umgestaltung fundamental gewandelt. Besprechungen werden mehr als Dialog geführt und empfunden, Partizipation und Zusammenarbeit finden verstärkt statt. Das Feedback aus den organisationsübergreifenden Veranstaltungen bzgl. der räumlichen Gegebenheiten und der Atmosphäre waren durchweg positiv und wir sind überzeugt, dass auch die Umgestaltung des Raumes zu den äußerst kreativen Ideen und Lösungen in den Workshops beigetragen hat.

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