Veröffentlicht in Erfahrungen

Auf dem Weg zu einer Innovationskultur in Hochschulen – 3. Etappe der HFD-Community Working Group der Musterwandler beim d.lab

Empfangen werden wir in einem großen Raum mit Sitzmöbeln aus Europaletten, einem Kicker, einer Kaffeemaschine und einem Tisch mit hohen Hockern. Im Raum nebenan sind die Türen geschlossen, es laufen Interviews mit Bahnkundinnen im Customer Experience Lab. Und eine Etage höher klappern viele Tastaturen in einem Großraumbüro mit vielen bunten Klebezetteln und verschiedenen Arbeitsinseln. So präsentierte sich uns das d.lab bei unserem Besuch in Frankfurt – dem Letzten auf unserer Reise rund um Innovationskultur. Wir sind im Innovationslabor des Personenverkehrs der Deutschen Bahn AG.

Das d.lab in Frankfurt. Foto: Annabell Bils

Warum das d.lab?

Das d.lab gibt es seit 2014, gegründet aus der Initiative „Mobilität 4.0“. Diese war entstanden, weil es von verschiedenen Seiten Druck gegeben hatte: Der Fernverkehr hatte große Herausforderungen, Konkurrenzunternehmen mit Fernbussen drängten auf den Markt. Es war klar: Es musste sich etwas ändern. Am Ende gab es eine große Initiative, die sich Gedanken machten, wie die Bahn innovativer werden könnte. Schnell verdeutlichte sich, dass es eine Instanz braucht, die die Wünsche und Bedarfe der Kundinnen und Kunden ergründet und erlebbar macht – und das war das d.lab, damals noch als reine Unterstützung für die Fachbereiche:

„Wir waren die ‚freien Radikalen‘, die einiges ausprobieren durften. Jetzt sind wir nicht nur die Gegenchallenger, sondern durften in eine strategische Mitverantwortung gehen.“

Sebastian, Product Owner im d.lab
Sebastian. Foto: Annabell Bils

Aus Kapazitätsgründen musste in einigen Jahren jede 2. Anfrage abgelehnt werden. Inzwischen entsteht das Customer Experience Management als übergeordnete Ebene mit strategischer Verantwortung, in die das d.lab, gemeinsam mit weiteren Einheiten, gerade übergeht.

Im Team der 15 MA war man, gerade zu Beginn, basisdemokratisch organisiert. Über ein Delegation Board wird jedes Projekt an die ganze Gruppe delegiert. In den ersten 2 Jahren hatte es noch ein Planning gegeben: jemand aus dem Team hat mit den Fachbereichen Anforderungen geklärt. Dann wurde auf dieser Grundlage im gesamten Team entschieden, ob man das Projekt annahm oder nicht. Inzwischen gibt es im Prinzip drei Ebenen: Die Vision (Warum) gibt die Führungskraft vor, Das „Was“ liegt bei den Product Ownern, das „Wie“ beim Team. Dieser Prozess befindet sich in der Entstehung und ist gerade am Anfang eine grpße Herausforderung.

Bei Gründung des d.lab sind einige Mitarbeitenden neu eingestellt worden. Wichtig war jedoch auch die Schnittstellenfunktion von Personen, die vorher schon bei der Bahn gearbeitet hatten und Kontaktpunkte zu den Fachbereichen bilden konnten. Es mussten also genügend Menschen aus der “Keimzelle” dabei sein, damit nicht immer wieder Grundsatzdiskussionen über Bisheriges geführt werden mussten.

„Es muss immer eine Keimzelle geben, die in sich erprobt ist. Eine kleine Keimzelle, bei der etwas in sozialer Sicherheit ausprobiert werden kann.“

Sebastian

Innovation im d.lab

Die drei Werte des d.lab sind Authentizität, Pioniergeist und Leidenschaft.

Natürlich stehen die Produkt- und Serviceinnovationen im Fokus, aber um diese erreichen zu können, müssen auch organisatorische Innovationen erreicht werden. Methodisch funktioniert das im d.lab mit Design Thinking und Sprints. Der Modus sieht so aus, dass die Kundinnen und Kunden (in der Regel aus den jeweiligen Abteilungen im Personenverkehr) im d.lab anfragen, wenn sie an konkreten Produkten arbeiten, egal ob 4 Monate Sprint oder nur der Austausch mit Schwesterabteilung geplant ist. Im d.lab wird die Innovation dann getestet und umgesetzt. Wichtig sei es, sich offen auf die Fährten zu begeben und das Problem verstehen zu lernen. Dann werden Ansätze verfolgt, erlebbar gemacht und mit Kunden erprobt.

“Wir sind diejenigen, die mutige Fragen stellen.”

Sebastian

Intern wird alle 4 Wochen eine Retro gemacht, anfangs sehr intensiv, inzwischen eher als kraftgebende Elemente für das Team. Bei fast jedem Workshop sind Methoden-Expert*innen dabei, die das Ganze moderieren. In jedem Projektteam schaut jemand auf Kulturaspekte.

Die Kultur hat sich zu einer aufgeschlosseneren Zusammenarbeit verändert. Die Zielsetzung des Konzerns ist klar formuliert und bekannt, die „starke Schiene“.

„Wir haben inzwischen ein gemeinsames Ziel und sind kulturell fit. Jetzt geht es in die nächste Stufe, die auf Exzellenz ausgerichtet wird.“

Sebastian

Der Übergang zum neuen Customer Experience Management bedeutet für das d.lab einen Wandel, den das Team gerade gestaltet und der die gesamte Zusammenarbeit verändern wird. Den permanenten Wandel ist das Team jedoch gewohnt.

Was wird hängen bleiben?

Für den Moment sind es vor allem diese Stichworte:

Weitere Schritte der HFD-Community Working Group

Am 25. März 2020 findet unser Abschlussworkshop in Bonn statt. Wir freuen uns auf den Austausch.

Autor:

Referentin für Hochschulstrategie und Digitalisierung an der FernUniversität in Hagen

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