Veröffentlicht in Ausprobieren, Erfahrungen, Nachlese

#wirvsvirus – der Hackathon der Bundesregierung

Am Wochenende habe ich beim #wirvsvirus-Hackathon mitgemacht und bin heute, am Montagmorgen, immer noch ganz aufgeregt. Das Ganze ist von der Bundesregierung und Tech4Germany, Code for Germany, Impact Hub Berlin, ProjectTogether, SEND e.V., Initiative D21 und Prototype Fund gemeinsam initiiiert und durchgeführt worden. Es ging darum, digitale Beteiligung in der Corona-Krise zu ermöglichen und Lösungen für akute Herausforderungen zu erarbeiten.

Bis Donnerstagabend konnten identifizierte Herausforderungen von allen Bürger*innen eingereicht werden. Diese wurden in 40 Oberthemen sortiert und innerhalb derer gruppiert, so dass es am Ende 284 konkrete Herausforderungen gab, für die Lösungen gesucht wurden.

Und offensichtlich wurde damit ein Nerv getroffen: Am Freitagabend gab es fast 43.000 Anmeldungen von Teilnehmenden. Und natürlich musste alles online stattfinden – gearbeitet wurde deshalb mit virtuellen Kommunikationstools. Am Anfang hat dies noch nicht so gut funktioniert, die Teilnehmenden mussten mehr oder weniger per Hand in Slack eingeladen werden. Dort gab es Channels zur Diskussion – vor allem aber zur Gruppenfindung – für die eingereichten Herausforderungen. Man kann sich vorstellen, dass das ein einziges Gewusel war. Unterstützt wurden die Channels durch Moderator*innen, darüber hinaus gab es weitere Kanäle, in denen Hilfe und Expertise gesucht und angeboten werden konnten.

Ich habe mich entschieden, bei der Herausforderung „Homeoffice – wie verbessern wir Homeoffice“ mitzumachen. Anfänglich war es alles sehr durcheinander, irgendwie wollte man ja doch nicht in einer Gruppe mit 30 Leuten oder mehr arbeiten. Jedoch entwickelte sich schnell eine Untergruppe – eine Idee wurde benannt und andere Leute gesellten sich dazu. Und damit waren wir eine Gruppe von 10 Personen und hatten einen Arbeitsauftrag: Wir suchen Remote Lösungen für Home-Office und virtuelles Team Building. Am Freitagabend gab es den ersten gemeinsamen Gruppencall und dann ging es los.

Am Samstagmorgen waren immerhin noch 8 von 10 Personen dabei. Die Vorstellungsrunde ergab eine bunte Mischung von Personen und Skills. Anschließend haben wir eine Agenda festgelegt und Teamregeln ausgehandelt. Weil wir ja auch noch nicht genau wussten, was wir eigentlich umsetzen wollten, haben wir uns dem Thema mittels Design Thinking genähert. Dafür nutzten wir https://mural.co/.

In kreativen Sprints wurden Ziele des Projekts erarbeitet, nach Oberthemen sortiert und anschließend gewichtet. Daraufhin erfolgte ein Voting aller eingereichten Ziele mit dem Ergebnis, dass wir mit dem Fokus „Mitarbeiter*innen, Führungskräfte und Teams arbeiten zusammen sicher im digitalen Raum“ weiterarbeiten möchten. Als nächstes wurden nach demselben Prinzip die Blockaden beschrieben, die beim Homeoffice eine Rolle spielen. Das anschließende Voting ergab, dass die Aspekte „wenig Kompetenz im Umgang mit digitalen Tools“ und „Angst der Führungskräfte, Kontrolle zu verlieren“ die Hürden sein sollen, auf die unsere Arbeit eine Lösung finden soll. Im nächsten Schritt wurden mittels Brainstorming Herausforderungen benannt, die Ziele und Blockaden zu einer Projektidee vereinen. Die Abstimmung zeigte, dass sich das Team im folgenden Prozess mit der Frage „Wie können wir einen digitales Spiel schaffen, in dem man ausprobieren kann?“ beschäftigen sollte.

Und das war toll! Es hat uns alle überrascht. Niemand von uns ist mit der Idee, ein Spiel zu bauen, in diese Gruppe gegangen. Aber weil so konsequent von den Herausforderungen ausgegangen waren, ist eben diese Lösung dabei herausgekommen.

Vor dem Hintergrund dieser Frage erfolgte eine Sammlung von konkreten Ideen, wie ein solches Produkt aussehen könnte. Und hier wurde der Prozess etwas kritisch, weil das Team es als schwierig empfand, ein konkretes Produkt hieraus abzuleiten. Darüber hinaus stand die Frage im Raum, ob ein solches Angebot wirklich die Zielgruppe erreichen würde, bzw. wer genau die Zielgruppe ist. Es wurde beraten, ob wir nicht stärker in den Themenbereichen „Coaching für Führungskräfte“ oder „Games zu digitalen Tools“ weiterarbeiten sollten.

Das Team einigte sich im Folgenden darauf, einige abstrakte Personas zu formulieren, wie sie in KMUs vorkommen, um daraus konkrete Szenarien ableiten zu können. Außerdem haben wir uns den Golden Circle von Simon Sinek vorgenommen, um uns über die essentiellen Fragen des Projekts – WARUM machen WIE WAS zu einigen. Hier haben wir im schon etablierten Verfahren Vorschläge gesammelt und darüber abgestimmt. Auf dieser Basis wurde die Storyline für das Produkt erarbeitet.

Und dann ging alles sehr schnell, Zack, Prototyp, Zack Pitch-Video. Und Sonntagabend kurz nach 18:00 Uhr erschöpft, aber happy mit einem Bier bei der Abschlussparty auf YouTube.

Der Hackathon war eine großartige Erfahrung,

  1. um Menschen teilhaben zu lassen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Ideen einzubringen und Politik nahbarer zu machen,
  2. um sehr schnell sehr viel Expertise zu sammeln,
  3. um zu zeigen, dass es möglich ist, 48 Stunden mit zunächst fremden Menschen so eng zusammenzuarbeiten, dass daraus wirklich ein Team geworden ist,
  4. um selbst von den Ideen Anderer zu lernen.

Diese Möglichkeiten sehe ich auch für Hochschulen. Es ist ein gutes Beispiel für unkomplizierte Zusammenarbeit jenseits von Hierarchien und hat großen Spaß gemacht. DANKE an Lyn von der Laden, Julia Wieland, Antje Lamartine, Marcus Liehr, Andrew MacKichan, Ulrike Stahl und Nikolas Knickrehm.

Und hier ist nun endlich unser Vorschlag zu finden:

https://devpost.com/software/1_26_b_homeoffice_remoteteamarbeit

Autor:

Referentin für Hochschulstrategie und Digitalisierung an der FernUniversität in Hagen

Ein Kommentar zu „#wirvsvirus – der Hackathon der Bundesregierung

  1. Vielen Dank, Annabell, für diesen Bericht, der die Begeisterung, mit der er geschrieben ist, gut auf uns Leser überträgt.
    Ich konnte leider nicht dabeisein, dachte ich vorher. Ich konnte leiderleiderleiderleider nicht dabei sein oder eigentlich hätte ich es doch vielleicht eigentlich können – denke ich jetzt. Und es ist eine schöne Methode, die man bestimmt auch i n unseren Verwaltungen und Institutionen anwenden und adaptieren kann.

    Liken

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