Veröffentlicht in Erfahrungen

Gemeinsam durch die Corona-Zeit

„Du quasselst den ganzen Tag!“ – Diesen Spruch höre ich mir momentan häufiger an. Meine Antwort darauf: „Naja, das ist mein Job.“

Jede*r von uns hat gerade die ganz eigenen Herausforderungen zu bewältigen:

Für die einen ist es die Übernahme der Kinderbetreuung inkl. Homeschooling parallel zum Vollzeitjob. Für andere ist es das Kümmern verbunden mit der Sorge um die Eltern, die meistens auch noch zur Risikogruppe zählen. Neu im Job zu sein und die vielen Kolleg*innen überwiegend online kennenzulernen oder aber aus der anderen Perspektive die neue Kollegin ausschließlich online einzuarbeiten zählt ebenfalls dazu.

Aber auch das tagtägliche Teilen der Wohnung als Homeoffice mit dem/der Partner*in, das Suchen nach ruhigen Plätzen in Wohn- und Kinderzimmern, der Verzicht auf den zweiten Monitor und schlechte Internetverbindungen bis hin zu -ausfällen machen die aktuelle Zeit aus. Wir fahren nicht ins Büro nach Hagen und gehen unseren Aufgaben geordnet von morgens bis abends nach. Stattdessen kochen wir mittags Essen für uns und unsere Lieben, legen eine längere Pause ein und arbeiten abends noch mal eine Stunde länger – oder starten morgens einfach früher. Aus drei Arbeitstagen werden fünf.
Kinder werden geboren und geliebte Menschen gehen von uns. Diese auch sonst schon sehr besonderen Momente im Leben bekommen in diesen Tagen noch mal ihre ganz eigene Note.

Nichts ist mehr wie es war

Und auch im Job hat sich vieles verändert. Von heute auf Morgen haben sich die Prioritäten komplett verschoben. Geplante Veranstaltungen entfallen. Aus Präsenz wird Online. Unsere Unterstützung und Expertise ist gefragt. Neue Projekte werden von heute auf Morgen aus dem Boden gestampft. Morgens noch gültige Informationen haben sich mittags schon überlebt.

Die Welt hat sich auch vor Corona schon gewandelt und wurde immer schnelllebiger. Aber das Tempo, dass sie aktuell vorlegt, ist rasant. Dafür sind weder mein Team noch ich gerüstet. Umso wichtiger ist es mir, gerade jetzt meinen Führungsaufgaben nachzukommen – allerdings unter dem Credo „Führen auf Distanz“. Wie kann das gelingen?

Kommunikation und Kontakt

Eine ganz wesentliche Komponente spielt darin die Kommunikation. Im Kontakt bleiben und sich Zeit füreinander nehmen ist dabei meine Devise. Ich versuche, im Gespräch nicht nur auf ToDos, Prozesse und Arbeitsergebnisse einzugehen. Viel zentraler scheint mir aktuell die Frage: „Wie kommst du gerade mit der Situation klar?“ Ich möchte herausfinden, welche Gedanken und welche Sorgen einzelne Personen gerade herumtreiben. Erst wenn ich das weiß, kann ich das in meiner Arbeit gezielt berücksichtigen, kann Prozesse anders steuern und Druck rausnehmen. Klar, das ist eine ganz zentrale Führungsaufgabe, die so erstmal nichts mit Corona zu tun hat – aber ich glaube, in diesen Zeiten sollten wir uns sie noch mal besonders bewusst machen und uns entsprechend verhalten.

Inspiration durchs Team

Neben dem Kontakt zu mir, empfinde ich es auch als sehr wichtig, dass das Team untereinander im Austausch bleibt. Und zwar nicht nur im Rahmen von Arbeitsvorgängen. Als direkt zu Beginn des Lockdowns ein Kollege die Idee hatte, regelmäßig einen campusweiten, informellen Austausch anzubieten, habe ich den Impuls direkt aufgegriffen. Daraus entstanden ist das einmal wöchentlich stattfindende Lean Coffee „Gemeinsam durch die Corona-Homeoffice-Zeit“. Und im Team treffen wir uns jeden Mittag zur gewohnten Mensazeit für einen informellen Austausch. Gerne reichern wir dieses Treffen an, in dem wir uns kleine Aufgaben stellen: „Bringe das kurioseste Küchen- oder Haushaltsutensil mit.“ oder „Berichte von deinem schrägsten Studijob.“ Was wir auf diese Art und Weise voneinander erfahren, ist unglaublich und stärkt den Zusammenhalt. Was hat das mit Führung zu tun? In meiner persönlichen Situation nicht viel, denn ich habe die Ideen lediglich aufgegriffen. Für andere Führungskräfte mögen dies aber Impulse sein, um etwas Nähe in die Homeoffice-Distanz zu bringen.

Digitale Kommunikationsmöglichkeiten nutzen

Bereits seit einigen Monaten nutzen wir Office365 mit Teams zur Kommunikation. Und gerade jetzt bin ich sehr dankbar dafür. Der Chat, die Videocalls, das schnelle Teilen und gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten erleichtern uns unseren Arbeitsalltag enorm. Richtig „ruhig“ wird es da die letzten Wochen nur abends und am Wochenende. Ich habe die Möglichkeit, so laufend neue Informationen reinzugeben und alle gleichzeitig auf dem aktuellen Stand zu halten. Bei manch brennenden Themen ist das für mich derzeit sehr zentral. Ich habe auch schon darüber nachgedacht, ob nicht jetzt der Zeitpunkt wäre, ein Daily einzuführen – so wie ich es bei vielen anderen Teams derzeit beobachte. Aber ich schrecke davor zurück. Zum einen, weil wir kein Projekt- und Arbeitsteam sind, bei dem alle an den gleichen Themen arbeiten. Zum anderen aber auch, weil sich Informationen binnen weniger Stunden überholen und schneller übermittelt werden müssen. Also tippe ich oder suche das direkte Gespräch. Das ist definitiv nicht der effizienteste Weg und ich muss da nochmal ran, aber es ist eine gute Möglichkeit, um Fäden zusammenzuführen bzw. zusammenzuhalten.

Die Basis: Beziehung und Vertrauen

Auch vor dem Virus war Kommunikation schon ein sehr wesentliches Element meiner Arbeit. Aber ich glaube, in den letzten Wochen ist mir die Bedeutung noch mal so richtig bewusst geworden. Durch das miteinander reden, sich Zeit füreinander nehmen, um sich untereinander kennenzulernen, schaffen wir es Beziehungen zueinander aufzubauen und Vertrauen zu entwickeln. Für mich ist das die Basis, um die Corona-Zeit gemeinsam zu bewältigen und um gleichermaßen als Team leistungsstark zu sein sowie die Herausforderungen der einzelnen zu achten.

Diese Gedanken sind inspiriert durch meine WOL-Gruppe: Danke Franziska, Ines und Jana!

Autor:

Musterwandlerin an der FernUniversität in Hagen, an der ich mich hauptsächlich mit dem Einsatz digitaler Lehr-Lern-Lösungen beschäftige und Innovationen eine bedeutende Rolle spielen.

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