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Lernzirkel – Lernwege im Kontext der Digitalisierung

Vor gut einem Jahr bin ich der Begeisterung einer Musterwandler-Kollegin gefolgt und habe meinen ersten Working-Out-Loud-Zirkel gestartet. Los ging es zu Beginn des Lockdowns im März. Es war der Start einer anstrengenden Zeit, da die mit der Pandemie einhergehenden Anforderungen an unser E-Learning-Team uns gut gefordert haben. Will frau in der Zeit noch was Neues angehen? JA! Ich habe die wöchentlichen Zirkeltreffen immer wieder als sehr bereichernd erlebt. Und es tat gut, gerade in der Zeit sich auch einen Freiraum für etwas anderes einzuräumen.

Ich glaube, so richtig ist der Funke auf mich allerdings erst nach Abschluss des ersten Zirkels im Sommer übergesprungen. Ich habe begonnen, die Themen, die mich aktuell beschäftigen sichtbarer zu machen und stelle fast jeden Tag erneut fest, was dies bewirkt. Es haben sich viele spannende, neue Kontakte, Gespräche, Ideen daraus ergeben, die ich so gar nicht erwartet oder auf meiner Agenda hatte.

Ein neues Themenfeld ergibt sich dabei fast schon automatisch: Neben Working Out Loud gibt es nämlich noch andere Lernzirkelformate, wie zum Beispiel lernOS oder ALEx. Und neugierig wie ich bin, interessiert es mich daher, was sie gemeinsam haben, aber auch worin ihre Unterschiede bestehen. Denn nach den insgesamt so positiven Erfahrungen mit mittlerweile zwei WOL-Zirkeln möchte ich gern herausfinden, ob Lernzirkel nicht ganz allgemein ein zukunftsträchtiges Lernformat sind. Auf den ersten Blick scheinen sie das regelmäßige und strukturierte Lernen bzw. sich entwickeln in einer kleinen Gruppe gemeinsam zu haben. Darüber hinaus stehen immer individuell gesetzte Lernziele im Fokus. Durch das gemeinschaftliche Reflektieren wird  ein Raum für positive Selbstwirksamkeitserfahrungen geschaffen werden. Diese Aspekte kann ich durch meine eigenen Erfahrungen bereits bestätigen, aber gerne würde ich auch weitere Lernzirkel-Methoden genauer betrachten und kennen lernen sowie tiefer vergleichen. Auf dieser Basis habe ich auf dem Barcamp „New Work in der Verwaltung 2023/2033” zu einer Session eingeladen und die folgende drei Formate kurz vorgestellt, um darüber mit anderen ins Gespräch zu kommen.

Working Out Loud (John Stepper)

Working Out Loud (WOL) scheint mir aktuell das bekannteste Format zu sein. Vielleicht nehme ich das aber auch nur so war, weil ich mich selbst immer wieder mit WOL beschäftige und es vorantreibe. Bei Working Out Loud geht es gleichermaßen um eine Methode und auch um eine Haltung. Getragen wird ein WOL-Circle von 4-5 Personen, die in 12 Wochen-Stationen eine gemeinsame positive Grundhaltung des Teilens und der Sichtbarmachung der eigenen Erfahrungen einüben und systematisieren. Über das Teilen eigener Beiträge in der Gruppe aber auch außerhalb der Gruppe wird außerdem ein eigenes Netzwerk aufgebaut oder erweitert. Wer neugierig geworden ist, dem empfehle ich diese weiterführenden Beschreibungen:

ALEx (Dorothea Hermann und Sabine Schwittek)

Durch eine Kollegin und wenig später durch ein Meet-up bei den Verwaltungsrebellen bin ich Ende letzten Jahres auf die Agile Lernexpedition (ALEx) gestoßen. In diesem Format verweben Dorothea Hermann und Sabine Schwittek Elemente von Scrum, Working Out Loud und die Idee der Experimentierräume zu einem neuen Lernzirkel, welcher auf die Bedürfnisse von Verwaltungsmitarbeiter*innen abgestimmt ist. Seit Januar experimentiere ich damit und nehme an einem der ersten Zirkel teil. Im Vergleich zur Working Out Loud stehen unsere individuellen Ziele bei den einzelnen Treffen stärker im Fokus, die Treffen dauern insgesamt ca. zwei Stunden, finden dafür aber nur monatlich statt.

Noch stehen die Verwaltungsrebellen mit ihrem Format am Anfang und erproben es im Rahmen des vom BMI geförderten Projekts „Verwaltungsrebellen-Labor“. Sobald die ersten Erfahrungen und Rückmeldungen ausgewertet sind, ist die Überarbeitung und die Freigabe für alle Interessierten – voraussichtlich im Herbst 2021 – geplant. Vorher ist das Angebot exklusiv für Verwaltungsmitarbeiter*innen des Rhein-Ruhr-Raumes über das Verwaltungsrebellen-Netz möglich.

lernOS (Simon Dückert)

Bei dem dritten Ansatz handelt es sich nicht nur um ein Zirkel-Format, sondern um ein komplettes „Betriebssystem für Wissensmanagement“. lernOS orientiert sich von der Grundstruktur ebenfalls an Working Out Loud und verfolgt ähnlich ALEx stärker die Zieldimension. „lernOS ist ein offenes System für Lebenslanges Lernen und Lernende Organisationen . Die Funktionsweise von lernOS wird in offen verfügbaren Leitfäden beschrieben. lernOS kann ganz einfach als Einzelperson, im Team oder in der gesamten Organisation praktiziert werden.“ (vgl. https://raw.githubusercontent.com/cogneon/lernos-for-you/master/de/lernOS-fuer-Dich-Leitfaden.pdf, S. 4).

Wer lernOS ausprobieren möchte, bekommt drei verschiedenen Lernpfade angeboten: Lernpfad WOL, OKR (Objektive & Key Results) oder GTD (Getting things done). Außerdem gibt es einige sogenannte Toolboxen zu Themen wie Sketchnoting, Barcamps, Podcasts und Achtsamkeit. Die erarbeiteten Materialien stehen unter eine CC BY-Lizenz, so dass jede*r auf die Inhalte frei zugreifen, diese verändern und teilen kann.

Leider fehlen mir in Bezug auf dieses Format noch eigene Erfahrungen. Da ich mich seit geraumer Zeit aber auch mit Objectives & Key Results auseinander setzen möchte, scheint mir das eine gute Gelegenheit zu sein, diese beiden Ziele in absehbarer Zeit mal zu koppeln. Wer sich ebenfalls dafür interessiert, darf sich gerne melden, damit wir gemeinsam in einem Zirkel starten können.

Und jetzt?

In der Barcamp-Session habe ich diese drei Formate vorgestellt. Working Out Loud war bereits am bekanntesten, daher konnten wir uns schon gut darüber austauschen Wir haben zum Beispiel überlegt, wie WOL auch für das Onboarding neuer Kolleg*innen eingesetzt werden kann, da es Nähe und Gemeinsamkeit schafft. Einige kannten auch schon bereits WOL Leadership und WOL Education. Auch gab es die Überlegung, WOL zum Aufbau von Communities einzusetzen. Da lernOS und ALEx noch jünger sind als WOL, gab es hier naturgemäß noch kaum eigene Erfahrungen in der Gruppe. Einige Teilnehmer*innen äußerten daher den Wunsch, sich noch mal vertiefter mit den drei Lernzirkel-Formaten auseinander zu setzen und herauszuarbeiten, wann sich welches Zirkelformat für was oder wen eignet. Wir bleiben daher gemeinsam dran und werden – ganz in WOL Manier – unsere Ergebnisse teilen.

Autor:

Musterwandlerin an der FernUniversität in Hagen, an der ich mich hauptsächlich mit dem Einsatz digitaler Lehr-Lern-Lösungen beschäftige und Innovationen eine bedeutende Rolle spielen.

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